Rechtsextremismus in Deutschland und in Tschechien – zwischen Kooperation und Konfrontation

In den letzten Jahren wurde die deutsch-tschechische Zusammenarbeit in vielen Feldern ausgebaut – leider auch beim Rechtsextremismus.

Die Arbeitsgruppe Politische Bildung des Deutsch-tschechischen Jugendforums hat deswegen vom 21. bis zum 24. Juni ein Seminar organisiert, das sich eben mit dieser wachsenden Zusammenarbeit deutscher und tschechischer Rechtsextremisten beschäftigte.

 

Zwanzig junge Tschechen und Deutschen erfuhren dabei, wie die aktuelle Struktur rechtsextremer Gruppierungen in der Tschechischen Republik aussieht oder welche Strategie die sogenannte „Neue Rechte“ in Deutschland gewählt hat, um sich neuen, eher „bürgerlichen“ Kreisen der Bevölkerung zu öffnen.

„Ich dachte eigentlich, genug informiert zu sein, da ich oft mit Leuten darüber rede. Jedoch belehrte mich das Seminar eines Besseren: Es gibt viel mehr verschiedene Szenen und Methoden, bzw. Strategien der Extremisten die mir so noch gar nicht bekannt waren.“ sagt der Teilnehmer Vojtech.

Während des Seminars wurde u.a. die deutsch-tschechische Zusammenarbeit rechtsextremer Gruppierungen analysiert, die seit dem Jahre 2005 stark angestiegen ist, was sich in den verschiedenen gemeinsamen Veranstaltungen zeigt. Die Teilnehmer erfuhren, dass die gegenwärtige Kooperation auf viele Probleme stößt. Auf der tschechischen Seite existieren verschiedene Ideologien des Rechtsextremismus. Eine knüpft an die Ideologie des Nationalsozialismus in Deutschland aus der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts an, die andere knüpft dagegen an den Widerstand im Protektorat Böhmen und Mähren an und ist eher antideutsch ausgerichtet. Die bedeutendste Partei der tschechischen rechtsextremen Szene, die Arbeiterpartei der sozialen Gerechtigkeit (tsch. „ Dělnická strana sociální spravedlivosti“), ist eine Vereinigung dieser beiden Gruppen, weswegen Zusammenarbeit auf Parteienebene auf bestimmte Probleme innerhalb dieser politischen Partei stößt. Auf deutscher Seite dominiert in rechtsextremen Kreisen wieder die Auffassung, dass das heutige Grenzgebiet der Tschechischen Republik deutsch war und deutsch sein wird, weswegen viele Anhänger sich gegen eine größere Kooperation eher wehren. Die Rechtsextremen, die aber nichtsdestotrotz eine Kooperation befürworten, sind sich der genannten Probleme bewusst und versuchen daher in verschiedenen Deklarationen irgendeinen gemeinsamen Standpunkt zu finden, auf dessen Grundlage die Zusammenarbeit dann verstärkt werden kann. Gegenwärtig lernt die tschechische Seite unterschiedliche Strategien von der deutschen Seite, um ihren aktuellen Einfluss in der Gesellschaft auszubauen. Die deutsche Seite beneidet dafür die tschechische Seite um ihre Fähigkeit, im Rahmen sogenannter „Anti-Zigeuner“-Demonstrationen auch die sogenannte Mitte der Gesellschaft mobilisieren zu können.

Den Teilnehmern gefiel das Seminar sehr und sie lobten vor allem die eingeladenen Experten. Für die tschechischen Teilnehmer lag der Nutzen des Projektes vor allem darin, dass sie nie zuvor eine so tiefgehende Analyse des Rechtsextremismus gesehen haben. Dagegen haben sich zuvor die deutschen Teilnehmer mehr mit dem Thema beschäftigt, allen voran in der Schule. Auf dem Seminar erfuhren sie hauptsächlich, wie sich das Gesicht des Rechtsextremismus ändert und wie die Situation in der Tschechischen Republik aussieht. „Das ganze Seminar war übersetzt und die Teilnehmer bildeten eine Gruppe, die trotz aller Sprachbarrieren nicht in zwei oder mehr Gruppen zerfiel“, erklärt der Organisator Michael Borsky.

„Wir sind froh, dass das Seminar so gut vonstattenging. Arbeit gab es natürlich sehr viel im Rahmen des Projektvorbereitung, aber wir haben alle an einem Strang gezogen und das Ergebnis lohnte sich. Wir hoffen, dass sich die Teilnehmer weiter sowohl gegen Rechtsextremismus, als auch in den deutsch-tschechischen Beziehungen engagieren“, fügt der Organisator Jiří Píza hinzu.

(Nach dem Seminar wurde ein Interview mit dem tschechischen Teilnehmer Filip gemacht – mehr hier)

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