Jubiläumskonferenz: Künftig ist die junge Generation gefordert

Die Deutsch-Tschechischen Beziehungen sind so gut wie nie zuvor. Dies war das Fazit der Jubiläumskonferenz des Deutsch-tschechischen Gesprächsforums zum 20. Jährigen Bestehen der Deutsch-Tschechischen Erklärung. Das Rahmenprogramm bot den Teilnehmern einen Blick in die Vergangenheit – bis zu den Anfängen der Vorbereitung und Entstehung der Erklärung –, es zeigte die Entwicklung bis in die Gegenwart und schloss dann mit einem Blick in die Zukunft, anhand einer in Deutschland und Tschechien durchgeführten Meinungsanalyse, ab. In Zukunft sei insbesondere die Jugend beider Länder noch stärker in die deutsch-tschechischen Beziehungen einzubinden, um potenziellen Herausforderungen auf sozioökonomischer und politischer Ebene begegnen zu können.

Die Sprecherin des Deutsch-Tschechischen Jugendforums, Bettina Finzel, hielt im Rahmen der Jubiläumskonferenz die nachfolgende Ansprache zum Themenblock „Die deutsch-tschechischen Beziehungen in der Öffentlichkeit“. Sie betonte insbesondere die Lebendigkeit der bestehenden Beziehungen im Rahmen des Jugendforums und rief zur Konfrontation der deutschen und tschechischen Öffentlichkeit mit zukunftsweisenden Themen auf, um die künftige Zusammenarbeit zu sichern.

Sprecherin Bettina Finzel während ihrer Ansprache auf dem Podium

„Meine sehr geehrten Damen und Herren,

als Sprecherin des Deutsch-Tschechischen Jugendforums, möchte ich mich im Namen der aktiven und ehemaligen Mitglieder bei allen Förderern und Freunden der deutsch-tschechischen Zusammenarbeit bedanken. Durch Ihr Engagement hat die deutsch-tschechische Jugend seit dem Jahr 2001 eine Stimme und eine Plattform, die sie nutzen kann, um bilaterale Projekte zu verwirklichen. Ich freue mich außerdem über die Einladung, das Jugendforum heute im Rahmen dieser wichtigen Jubiläumskonferenz des Deutsch-Tschechischen Gesprächsforums zu vertreten.

Das Deutsch‐Tschechische Jugendforum entstand aus einer Initiative heraus, die eine Einbindung der jungen Generation in den offiziellen deutsch‐tschechischen Dialog forderte. Seit dem Jahr 2001 haben sich bereits mehr als 320 deutsche und tschechische Jugendliche getroffen, um aktuelle Themen zu diskutieren und zahlreiche Projekte umzusetzen. Das Jugendforum ist somit wichtiger Bestandteil der deutsch-tschechischen Beziehungen in der Öffentlichkeit. Es artikuliert diese.

Der dritte Block, der hiermit eingeführt wird, befasst sich mit der Frage: „Wie werden die deutsch-tschechischen Beziehungen von der heutigen Gesellschaft beider Länder wahrgenommen?“ Für uns stellt sich diese Frage wie folgt: „Wie werden die deutsch-tschechischen Beziehungen von der heutigen Jugend in beiden Ländern wahrgenommen?“ Ich möchte mit einem persönlichen Gedanken beginnen.

Manchmal haben wir etwas im Hinterkopf, einen Gedanken, einen Wunsch oder ein Gefühl, die sich jedoch erst bemerkbar machen und für uns bewusst erlebbar werden, wenn wir in eine Konfrontationssituation geraten – uns etwas vor Augen geführt wird.

Die Mitglieder des Deutsch-Tschechischen Jugendforums tragen durch ihre Projekte zu eben dieser Konfrontation bei. Sie verstärken die Kommunikation zwischen Deutschen und Tschechen. Sie fördern die Auseinandersetzung mit dem Gegenüber und sie setzen sich aktiv für ein soziales Miteinander ein. Dadurch erfüllen sie wichtige Punkte der Deutsch-Tschechischen Erklärung aus dem Jahr 1997: Offenheit in beiderseitigen Beziehungen, ein freundschaftliches Miteinander und die gemeinsame Gestaltung des zusammenwachsenden Europa.

Themen der Projekte je Amtszeit werden von den Mitgliedern des Deutsch-Tschechischen Jugendforums selbst bestimmt. Daher spiegeln sie sehr gut wieder, welche Fragen die junge Generation beschäftigen. Es zeigt sich, dass die Jugendlichen die deutsch-tschechischen Beziehungen aus unterschiedlichsten Blickwinkeln betrachten und auf vielfältige Art und Weise realisieren. Oberthemen der vergangenen Amtszeiten waren unter anderem: „Gesellschaftlicher Zusammenhalt“, „Nachhaltige Entwicklung – nachhaltiges Europa“ und „Welche Bildung brauchen wir?“.

In der aktuellen Amtszeit des Deutsch-Tschechischen Jugendforums lautet das Oberthema der Projekte „Wo bin ich zu Hause?“. Die Mitglieder tragen mit ihren Projekten, die Mitte März 2017 in Regensburg abschließend öffentlich präsentiert werden, beispielsweise zur Unterstützung von Erasmus-Studierenden bei, sie erfassen die Begrifflichkeiten Heimat, Identität und Zuhause anhand unterschiedlichster Medien (etwa Film, Foto, Social Media) und erreichen dabei Menschen aus dem Alltag sowie Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben. Im Rahmen des Jugendforums werden die Deutsch-Tschechischen Beziehungen zu etwas Lebendigem und Vielseitigem. Im Hinblick auf die Zukunft, halte ich das für sehr wichtig.

Doch wer interessiert sich für Jugendprojekte dieser Art? Sind es nicht immer nur die Leute, deren Biographien ohnehin eine Verbindung zwischen beiden Ländern aufweisen? Das muss nicht sein. Projekte dieser Art können dazu beitragen, dass eine breite Öffentlichkeit mit neuen Informationen konfrontiert wird. Denn, manchmal ist es uns Menschen gar nicht bewusst, wie weit unsere Biographie eigentlich reicht. Wir werden durch die öffentliche Darstellung der deutsch-tschechischen Beziehungen plötzlich auf etwas aufmerksam gemacht, von dem wir nicht dachten, dass es für uns relevant sein könnte. Wir finden einen neuen Teil unserer Identität, lernen neue Menschen kennen oder entdecken gemeinsame Interessen.

Doch, ist die breite Öffentlichkeit bereits an diesem Punkt angekommen?

Welche gemeinsamen Themen brauchen wir in der Zukunft, um Menschen mit unterschiedlichen Biographien in Deutschland und Tschechien anzusprechen? Digitalisierung? Gleichberechtigung? Den Demographischen Wandel? Globalisierung? Vor dem Hintergrund dieser Fragen, wählten wir im September letzten Jahres das Oberthema für die nächste Amtszeit des Deutsch-Tschechischen Jugendforums: „Welche Zukunft (er)schaffen wir?“.

Ich möchte Sie nun einladen, die Erkenntnisse aus einer anlässlich des 20. Jahrestags der Deutsch-Tschechischen Erklärung durchgeführten Meinungsforschung zu diskutieren. Lassen Sie uns anschließend gemeinsam die Frage beantworten, welche Themen uns wichtig sind und mit welchen Herausforderungen wir die Öffentlichkeit konfrontieren wollen.

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.“

Bettina Finzel und Daniel Brössler auf dem Podium der Konferenz

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