Eurolog und ihre Workshops in Letohrad

Am Freitag, den 22. Juni 2018 waren wir als „EUrolog“ Gruppe in die Grundschule „U Dvora“ in Letohrad eingeladen, um dort in den zwei Abschlussklassen (9. Jahrgangsstufe) unsere Workshops zur Europäischen Union durchzuführen. 

Nachdem wir am Donnerstag in der Prager Botschaft bei Tag der offenen Tür den Stand des JuFos unterstützt haben, trafen wir uns am gleichen Abend in Letohrad bei Freunden von Iva und gingen noch einmal endgültig unseren Workshop durch. Noch bis spät in die Nacht tüftelten und feilten wir an Kleinigkeiten, um unseren Workshop zu perfektionieren und möglichen Sprachbarrieren vorzubeugen. Schließlich konnten wir nicht genau vorhersehen, wie gut die Schüler deutsch sprachen und bereit waren, sich kurz vor Ferienende nochmal auf unser Seminar einzulassen. 

Nach einer sehr kurzen Nacht waren wir am am Freitagmorgen um 7.30 Uhr bei der Rektorin Mgr. Kamila Náglová zu einer kurzen Vorsbesprechung eingeladen. Wir wurden sehr freundlich empfangen, die Rektorin erzählte von einer gewissen Vorfreude der Schüler und ihres Kollegiums und erkundigte sich über unsere Ziele des Projekts. Nach einem ca 15-minütigen Gespräch durften wir dann schließlich in das Klassenzimmer, um uns vorzubereiten.

Um Punkt 8.00 Uhr war es dann so weit. 20 interessierte Augen starrten die leicht nervöse EUrolog-AG an und konnten den Beginn unseres ersten Workshops von 8-10.30 Uhr kaum abwarten. Nach einer kurzen „Umbaumaßnahme“ im Klassenzimmer – wir stellten die Tische beiseite, um genug Platz zu haben – starteten wir mit der Einführung. Nach der kurzen Vorstellung und einem kleinen Namensspiel gab es einen kleinen, grundsätzlichen Input über die Europäische Union. Wie bereits im Voraus befürchtet, besaßen die Schüler nahezu keine Vorkenntnisse über die EU, sodass wir jedoch keine Mühe hatten, einen wie von uns beabsichtigten, positiven Einstieg in die Thematik durchführen zu können.

Immer wieder nutzten wir die Möglichkeit, die Schüler zu grundsätzlichen Themen zu befragen und ihre Gefühlslage zu verstehen. Einige hatten gar kein Interesse, mehr über die EU zu erfahren oder sahen sie gar als unnötig an, andere nutzten die Gelegenheit und fragten immer wieder, wie die EU funktioniert oder welche Rolle die einzelnen Mitgliedsstaaten besitzen. Kontroverse Themen wie Migration, Regulierungen und die EU als Wirtschafts- und Währungsfaktor wurden angesprochen und problematisiert. Im Rahmen des „Beutelsbacher Konsens“ ließen wir die Schüler untereinander diskutieren und stellten Falschinformationen richtig.

Nach der grundsätzlichen, sowie thematischen Einführung setzten wir nach einer kleinen Pause mit dem Hauptteil unseres Workshops fort. Wir teilten die Klasse in 4 Kleingruppen (à 5-6 Personen) auf und ließen sie jeweils 15 Minuten alle vier vorbereiteten Miniworkshops durchlaufen. Diese waren thematisch in die Themen Institutionen der EUMigrationFreizügigkeitund Extremismus aufgeteilt.

In den Miniworkshops wurde folgendes Besprochen, beziehungsweise sie waren wie folgt aufgebaut:

Institutionen der EU (Justin, Alexandra half beim Übersetzen):

Dieser Miniworkshop befasste sich mit der EU Mechanik, dh mit dem Aufbau und der Struktur der Europäischen Union. Hierbei wurden insbesondere die Hauptorgane der EU, seine Aufgaben, die Unterscheidung zwischen ihnen und die Begriffe erklärt. An seiner Seite befand sich Alexandra, die beim Übersetzen half. 

Migration (Roland): 

Beim Miniworkshop Migration lag der Hauptaugenmerk im Gespräch mit den Schülern. Sie sollten ihre Eindrücke zu dem (insbesondere in Tschechien) in den Medien kontrovers diskutierten Thema schildern und ihre persönliche Meinung schildern. Es wurden die Begrifflichkeiten Migrant, Flüchtling und Auswanderer unterschieden und Fluchtursachen thematisiert. Zahlen und Fakten rundeten die Diskussion ab und gaben den Schülern nützliche Informationen, um eine angeregte und sachliche Diskussion zu führen.

Extremismus (Tereza):

Hier wurde zu Beginn das Wort „Extremismus“ erklärt und definiert. Im Anschluss wurde es in den rechtlichen Kontext eingeordnet und über aktuelle Geschehnisse besprochen. Danach wurde Extremismus in der politischen Landschaft thematisiert und sich über extremistische und radikale Parteien der Gegenwart und Vergangenheit ausgetauscht. Hierbei lag insbesondere die persönliche Erfahrung im Mittelpunkt. Eigene Probleme der Stadt, sowie Erfahrungsberichte im familiären Umkreis spielten hier eine besonders große Rolle.

Freizügigkeit (Iva):

In dem Miniworkshop wurde über das Thema Freizügigkeit gesprochen und anhand historischer Ereignisse veranschaulicht. Hierbei wurden die Möglichkeiten von Grenzübertritten vor dem Bau des Eisernen Vorhangs, nach dessen Fall, nach dem Eintritt in die Europäische Union und zuletzt nach Eintritt in das Schengen-Abkommen. All dies wurde von Bildern und Videos begleitet und am Schluss durch ein kleines Ratespiel mit ausgelegten Fotografien abgerundet.

Abschließend führten wir noch ein Quiz durch, in welchem die Kleingruppen Fragen zu den Miniworkshops gestellt bekamen. Dies gab uns die Möglichkeit zu testen, ob die Lerninhalte des Workshops behalten werden konnten. Zu unserem Erstaunen hatten die Gruppen fast alle Fragen richtig und waren selbst überrascht, wie viel sie in so kurzer Zeit gelernt hatten. Dies wurde auch in der Abschlussrunde deutlich, wo selbst Schülerinnen und Schüler, die sich nicht für die EU interessierten, ein positives Feedback äußerten. 

Nach dem Abschluss der ersten Workshops waren wir sehr zufrieden, erkannten aber einige zeitliche Probleme und Abstimmungsfehler, die unvermeidbar gewesen waren. Dies versuchten wir bei der zweiten Klasse besser zu machen und besprachen uns daher, nach unserem kurzen Aufenthalt im Lehrerzimmer, wo uns teilweise sehr interessierte Lehrerinnen und Lehrer befragten und sich mit uns austauschen wollten. 

Die zweite Schulklasse, die wir nach der großen Pause von 10.30-13 Uhr betreuten, konnte spürbar von unserer neu hinzugewonnen Routine profitieren. Unsere Fragen und Antworten waren präziser formuliert, unser Zeitmanagement besser abgestimmt und die Lockerheit färbte auf die Schulklasse ab. Dies machte sich unter anderem auch auf die Evaluation bemerkbar, die deutlich besser bei der zweiten Klasse ausfiel.

Nach insgesamt mehr als sechs Stunden in der Schule waren wir im Anschluss zum Essen eingeladen. Dieses Angebot der Schulleitung konnten allerdings nicht alle wahrnehmen und ein Teil fuhr direkt zurück nach Prag. Die Erschöpfung war allen nach dem sehr anstrengenden Tag anzumerken, sodass wir die finale Nachbesprechung auf eine Telefonkonferenz verschoben. Die Schule versprach uns, einen Bericht inklusive Fotos auf deren Homepage zu veröffentlichen.

 

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